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Neue Gärten! Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne

Ausstellung im Museum für Gartenkunst, Düsseldorf...

Was für uns heute selbstverständlich, war vor hundert Jahren geradezu revolutionär: Öffentliches Grün, in dem Kinder spielen, Erwachsene entspannen oder auf der Wiese sonnenbaden. Bis zur vorletzten Jahrhundertwende waren städtische Parks und Grünanlagen entweder Flaniermeilen oder reine Schmuckplätze, in denen der Rasen nicht betreten werden durfte. Das änderte sich im Zuge der so genannten „Lebensreformbewegung“. Wie sich dieser gesellschaftliche und kulturelle Umbruch auf die Gartengestaltung auswirkte, wird in dieser Ausstellung anschaulich gezeigt. 

Mehr Licht, mehr Luft!

Das war das Motto der Lebensreformer. Dazu zählten Vegetarier, Antialkoholiker, Naturheiler, Naturschützer und Wandervögel. Frauen befreiten sich aus den einengenden Korsetts und zeigten sich in lockerer Reformkleidung.

Promenadenkleid, um 1900 © GartenRadio.fm
Aber nicht nur die Mode und die Lebensauffassungen änderten sich, sondern auch die Funktion der Gärten, vor allem der öffentlichen Anlagen. Sie wurden im Zuge der Industrialisierung zunehmend zum Erholungsraum für die Arbeiter, die in engen Wohnungen ohne Garten leben mussten. In vielen Großstädten entstanden „Volksgärten“ oder „Volksparks“, wie die „Flora“ in Köln. (siehe Titelbild)

Allein der Kölner Gartendirektor Fritz Encke entwarf in einem einzigen Jahrzehnt über 30 Plätze. Das wichtigste Ziel: Menschen verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Bedürfnissen vielfältige Nutzungsangebote zu präsentieren, wie es im lesenswerten Begleitbuch zur Ausstellung heißt.

Der Hausgarten als verlängerter Wohnraum

Auch die privaten Gärten veränderten Form und Funktion. Weil die Grundstücke zunehmend kleiner wurden und eine parkähnliche Gestaltung kaum mehr möglich war, besannen sich Gartengestalter und Architekten auf die englische Gartenkultur. Vorbild waren die formalen Gärten mit farbigen Staudenrabatten, die Gertrude Jekyll zum Beispiel in Hestercombe angelegt hatte.

Hestercombe House in Somerset © GartenRadio.fm
Deutsche Maler wie Emil Nolde, Heinrich Vogeler oder Max Clarenbach übernahmen diese Ideen für ihre eigene Gartengestaltung und hielten die Ergebnisse natürlich in ihren Bildern fest. Einige werden in dieser Ausstellung auch gezeigt. Am berühmtesten wurde der Garten von Max Liebermann am Berliner Wannsee.

Vergangen, aber nicht vergessen

Dem Garten von Max Liebermann erging es wie den meisten Parks und Gärten dieser Epoche: sie wurden im Laufe der Jahre unwiederbringlich zerstört. Nur wenige existieren noch in Fragmenten, anders als in England, wo hunderte der historischen Anlagen bis heute sorgsam gepflegt werden. Auch der Liebermann-Garten ist wieder auferstanden. Seit 2014 ist die Rekonstruktion abgeschlossen. Deshalb wird Anfang 2018 diese Ausstellung, in der es auch um die Gärten der Maler geht, in der Liebermann-Villa in Berlin gezeigt. (UF)

Model Max Liebermann Villa © GartenRadio.fm
Begleitend zu dieser Ausstellung ist ein Buch erschienen, das umfassend alle Aspekte der gärtnerischen Reformbewegung dokumentiert: „Neue Gärten! Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne“. Hg. Stefan Schweizer und Martin Faass, Wienand-Verlag Köln 2017, 36 €.


Angaben zur Ausstellung:

Museum für Gartenkunst

Benrather Schlossallee 100-106

40597 Düsseldorf

www.schloss-benrath.de

Die Ausstellung ist bis zum 14. Januar 2018 in Düsseldorf zu sehen, ab 25. Februar wird sie in veränderter Form in der Liebermann-Villa in Berlin gezeigt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr

Eintritt: 6 Euro