Boom der Blüten – Die Erfindung der Blumenmalerei

Von Blumenmalern, Tulpenwahn und Pflanzenschönheiten, die noch heute in unseren Gärten Wurzeln schlagen.

Es ist schon eine Weile her, da bekam ich eine Einladung, die ich unmöglich ausschlagen konnte: Ein Besuch im Hessischen Landesmuseum Darmstadt – wegen eines einzigen Gemäldes.

Darauf: ein überwältigender Blumenstrauß. Fast einhundert verschiedene Pflanzen. Ein barockes Bild des Malers Peter Binoit. Ein gemaltes Florilegium - eine Enzyklopädie der Blumen, die man zu jener Zeit kannte und mehr als nur ein schönes Stillleben.

Die Einladung kam von der Kunst- und Gartenhistorikerin Dr. Stephanie Hauschild, die ich bei einem gemeinsamen GartenRadio-Podcast über Historische Küchengärten kennengelernt hatte.

Nahaufname von Peter Binoits "Vase mit Blumenstrauss" im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Vom Barock in die Gegenwart

Stephanie Hauschild hat das Gemälde "Vase mit Blumenstrauss" seit 25 Jahren als Museumsführerin im Hessischen Landesmuseum Darmstadt im Blick. Was erzählen diese Blumen über ihre Zeit? Über Alltag und Werte? Und warum lässt einen dieses Bild auch 300 Jahre später nicht mehr los?

Und plötzlich hatte es „Klick“ bei ihr gemacht. Aus Bewunderung wurde eine Spurensuche – mit überraschenden Folgen. Plötzlich wuchs der barocke Blumenstrauß nicht mehr nur im Museum, sondern auch in ihrem eigenen Garten.

Seit 25 Jahren wird Dr. Stephanie Hauschild nicht müde, das Bild zu ergründen.

Von den Niederlanden nach Deutschland

Und es ist ein schöner Zufall, dass gerade im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln, die Ausstellung „B(l)ooming – Barocke Blütenpracht“ den Fragen nachgeht: Warum explodierte ausgerechnet im 17. Jahrhundert die Lust am gemalten Blumenstrauß? Was kostete ein Strauß aus Öl und Leinwand? Welche Botschaften verstecken sich zwischen Tulpen und Nelken? Und warum waren Blumen plötzlich ein Statussymbol?

Anna Sevcik, die Leiterin der Abteilung Barockmalerei, hat die Ausstellung kuratiert und nicht nur Gemälde sondern auch über die Geschichten hintern den Blumensträussen und Blumengirlanden zusammengetragen.

Mit großer Begeisterung hat sich PhDr. Anja Sevcik Geschichten zu den Gemälden in der Ausstellung B(l)ooming gesammelt. Foto: Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

Darmstadt und Köln

Zwischen Darmstadt und Köln, zwischen Barock und Gegenwart, erzählen zwei Expertinnen von einer Kunstform, die weit mehr ist als Dekoration.

Schon die Barock-GärtnerInnen mussten sich mit Lilienhähnchen herumschlagen. Zu sehen auf "Vase mit Blumenstrauss" von Peter Binoit im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

P.S.

Das Titelbild zeigt einen Blumenstrauss, gemalt von Peter Binoit im Walraff-Richartz-Museum in Köln; die Ausstellung „B(l)ooming - Barocke Blütenpracht“  ist  verlängert bis Ende Juli 2026.

Das Darmstädter Bild "Vase mit Blumenstrauss" hat Peter Binoit gleich dreimal nahezu identisch gemalt hat. Eine zweite Version hängt im Landesmuseum Mainz und eine Dritte im Schloss Weißenstein in Pommersfelden.

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