Nieswurz & Husteblume - Unterwegs in "Pollenesien"
Warum reagiert unser Körper plötzlich auf etwas so Harmloses wie Blütenstaub, als wäre es eine echte Bedrohung? Und stimmt es wirklich, dass der Klimawandel unsere Allergien immer schlimmer macht?

Allergie - warum eigentlich?
In dieser Folge reisen wir mitten hinein in die unsichtbare Welt der Pollen – dorthin, wo winzige Eiweiße unser Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen.

Vom Heufieberbund zur modernen Patientenorganisation
Unsere „Reiseleiterin“ ist die Biologin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund. Sie ist in der Patientenberatung zu Allergien der Atemwege (z.B. Pollenallergien, Hausstaubmilbenallergien) und zum Thema Asthma im Einsatz. Der DAAB gehört zu den ältesten Patientenorganisationen in Deutschland: Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1897 zurück – damals allerdings noch unter einem ganz anderen Namen, dem „Heufieberbund“.

Allergien im Garten
Heute sitzt der Verband in Mönchengladbach und ist eine zentrale Anlaufstelle für Millionen Betroffene. Gleichzeitig zeigt seine Geschichte, wie sich unser Verständnis von Allergien vom „mysteriösen Heufieber“ hin zu einer komplexen Umwelt- und Immunreaktion entwickelt hat. Die Broschüre „Allergien im Garten?“ des Deutschen Allergie- und Asthmabund kann kostenlos als PDF auf der Website des DAAB heruntergeladen werden.

Düfte - ein Sonderfall
Düfte lösen zwar keine Allergien an den Atemwegen aus, sie können aber bei Menschen mit empfindlichen Atemwegen zu unangenehmen Reaktionen wie Husten oder einer Verengung der Atemwege führen. Dann spricht man von einer Überempfindlichkeit der Atemwege (Hyperreagibilität). Betroffene reagieren auch auf Gerüche, Rauch, Stäube oder kalte Luft. Eine solche Überempfindlichkeit der Atemwege entwickelt sich typicherweise bei Asthma-Patienten. Duftstoffe können aber Auslöser für allergische Reaktionen an der Haut sein. Wenn die Haut nach einem Pflanzenkontakt mit Reizungen reagiert, muss das nicht immer allergisch bedingt sein. Solche Hautreizungen können mechanisch durch Stacheln, Dornen Härchen auftreten, die zu Hautverletzungen führen. Viele Pflanzenstoffe können auch eine irritative, also hautreizende Wirkung haben (irritative Kontaktdermatitis) ohne dass dabei ein immunologischer Mechanismus besteht. Beispielsweise kann der Kontakt mit Brennnesseln die Haut reizen. Es gibt aber auch Inhaltsstoffe in Pflanzen, die Kontaktallergien auslösen können und manchmal treten auch phototoxische Reaktionen auf. Sie können auftreten, wenn auslösende Substanzen z.B. in Medikamenten, Kosmetika oder Pflanzen durch UV-Licht aktiviert werden. Bei der Gartenarbeit am besten immer Handschuhe und schützende Kleidung tragen (lange Hosen, langärmelige Oberteile, Sonnenhut).

"Pollenesien" im Kleingarten
Bei einem Streifzug durch eine Kleingartenanlage erläutert Anja Schwalfenberg, weshalb manche Pflanzen Allergien auslösen und andere nicht. Sie erklärt, wie sich der Klimawandel auf den Pollenflug auswirkt, warum nicht nur blühende Gräser, sondern auch frisch gemähter Rasen Beschwerden verursachen kann, wieso selbst ein leichter Nieselregen Allergien verschlimmern kann – und wie es dazu kommt, dass man sich aus dem Urlaub plötzlich eine Pollenallergie mit nach Hause bringt.

Was tun?!
Und sie gibt praktische Tipps, was wirklich hilft: wie sich Garten und Balkon allergikerfreundlich gestalten lassen – und wie man dem Pollenflug nicht völlig ausgeliefert ist.

P.S. Und für alle Paris-Reisende und Pollenpflanzen-Interessierte hier der Link zum „Pollinarium“.
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