Die Kirschpflaumen sind reif

Unsere "wilden Mirabellen"

Stefan
Zu Hunderten hängen sie, strahlen sie, purzeln sie: die wilde Mirabelle reift jetzt entlang unseres Zauns zur Straße. Sie scheint sich unglaublich wohl zu fühlen, denn im Laufe der Jahre hat sie sich stetig vermehrt. Aus kleinen Pflänzchen wurden Sträucher und Bäume, immer aufs Neue. Wir mögen das zarte Grün der Blätter, die sehr frühe Blütenpracht und natürlich die reifen, säuerlichen Früchte, aus denen sich herrlich Marmelade machen lässt.
 
Was sie aber wirklich so faszinierend macht: sie ist mehrmals mutiert. Zu den in den vergangenen Jahren stets knallgelben Früchten gesellte sich Nachwuchs mit knallroten Früchten und später in rosa Zwischentönen, mit Variationen auch in Geschmack und Größe. Das vor allem macht sie tatsächlich so »wild«, unsere Mirabelle.

Wir haben versucht, dem Geheimnis der Varietäten auf die Spur zu kommen und da mussten wir erst einmal lernen, dass unsere Mirabelle gar keine echte Mirabelle ist, auch keine »wilde«. Denn die Blüten der echten Mirabelle öffnen sich nicht so zeitig im Frühjahr und ihre Blätter wirken sehr viel robuster, ähneln eher denen der Apfelbäume.
 
Unsere Mirabelle ist oder besser unsere Mirabellen sind wilde Kirschpflaumen. Das mussten wir lernen. Und warum zur einen gelben wilden Kirschpflaume, die es irgendwie immer schon gab, späterhin so viele Varianten hinzukamen, muss wohl an dem Strauch »ganz hinten« im Garten liegen, eine rote Kirschpflaume, die gar nicht als Obst-sondern als Zierstrauch gesetzt wurde, wie in vielen anderen Gärten auch ihrer rosa Blüten wegen.
 
 
So wachsen sie denn, die vielen wilden Kirschpflaumen, und wir ernten ihre Früchte, so der Frost nicht in die frühe Blüte reingrätscht. Wir nennen sie weiterhin »wilde Mirabelle«, es klingt irgendwie schöner. Und alle wissen, was gemeint ist.